Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Simulation der Harzinjektion eines RTM Prozesses. Hierzu ist neben der Kenntnis eines Werkstoffmodells des Harzes die richtige Erfassung des richtungsabhängigen Widerstandes der Preform notwendig, welcher nach dem Gesetz von Darcy berechnet werden kann:(s. Abbildung 12)
Der Druckverlust der Harzströmung in x-Richtung ist abhängig von der Harzgeschwindigkeit in x-Richtung vx, der Harzviskosität ηHarz und der Permeabilität der Preform in x-Richtung Kx.
Die Permeabilität der Preform quer zur Faserrichtung ist deutlich geringer als in Faserrichtung. Dieser Einfluß wurde für den RTM Prozess einer Platte (s. Abbildung 13) untersucht. In Faserrichtung entsteht eine schnellere Ausbreitung der Harzfront als quer zur Faserrichtung, die Harzfront nimmt bei den dargestellten Zeiten t1, t2 eine ovale Form an.
Die unterschiedliche Verweilzeit des Harzes in der Form verursacht eine Vernetzungsgradverteilung (s. Abbildung 14). Im Bereich der Harzfront ist der Vernetzungsgrad höher als im Einlass, d.h. mit zunehmender Verweilzeit des Harzes steigt der Vernetzungsgrad an.
Die Anwendung der Simulationswerkzeuge auf RTM Prozesse ermöglicht eine Vorhersage z.B. folgender zeitabhängiger Größen:
- Temperaturfeld des FEMI und des injizierten Harzes,
- Harzausbreitung
- Harzmassenstrom
- Vernetzungsgradverteilung
Die Anwendung der entwickelten Simulationswerkzeuge auf ein industrielles RTM Bauteil zeigen Abbildung 15 und Abbildung 16. Die Stromlinien zeigen den Strömungsweg und die Strömungsgeschwindigkeit (rot: maximal) vom Einlass zu den beiden Auslässen. Die zeitabhängige Darstellung der Harzaus-breitung zeigt, dass insbesondere in Ecken im Bereich der Auslässe Verbesserungen zur Verringerung der Harzinjektionszeit möglich sind. Es können z.B. die Auslässe an anderen Stellen angeordnet bzw. zusätzliche Auslässe berücksichtigt werden.